Buchbesprechung: Konnersreuth. Lug und Trug mit kirchlichem Segen?

besprochen von Irmgard Oepen

Der Autor ist katholischer Theologe und hat sich als engagierter Kritiker vermeintlicher Wundererscheinungen (s. SKEPTIKER 4/90, S. 26 und 3/91, S. 81) einen Namen gemacht.

In diesem Buch geht er erneut auf die "Konnersreuther Phänomene" ein, da Anhänger des "Konnersreuther Rings" die Seligsprechung der umstrittenen Stigmatisierten, Therese Neumann aus Konnersreuth, anstreben. Nun könnte man solches Bemühen für eine innerkirchliche, eher private Angelegenheit halten. Das ist es jedoch nicht, solange die katholische Kirche noch eine relativ große Mitgliederzahl hat und auch gesellschaftliche und soziale Aufgaben wahrnimmt.

Für Skeptiker ist die Diskussion um die "Resl" von Interesse, weil sie mit Unterstützung ihrer Angehörigen behauptet hatte, sie habe jahrelang "nahrungslos" gelebt, d.h. ohne feste oder flüssige Speisen, und habe lediglich die Hostie während der Kommunion zu sich genommen. Ferner will Therese Neumann an einzelnen Tagen, vor allem freitags, das Leiden Christi erlebt haben, wobei sich Wundmale an Händen, Füßen, am Kopf und über dem Herzen wie bei dem Gekreuzigten ausgebildet hätten (Stigmatisation). Diese und andere Ereignisse, wie Visionen, sollen als "wunderbare" Phänomene Ausdruck einer besonders begnadeten Persönlichkeit sein.

Die Konnersreutherin ist jedoch nicht die einzige "Seherin", die durch solche Symptome in Erscheinung getreten ist. Es spricht einiges für Nachahmungseffekte. Außerdem wurde die angebliche Nahrungslosigkeit nicht belegt, da sich Therese Neumann (gemeinsam mit ihren Angehörigen) erfolgreich gegen eine überprüfbare Untersuchung gesträubt hat.

Sie war auch in der Zeit der behaupteten Abstinenz bemerkenswert korpulent. Hinzu kommt, daß die Harnuntersuchungen, die immerhin vorgenommen wurden, eindeutig gegen das Vorliegen eines Fastenzustandes sprachen. Es gibt also keinen Grund für die Annahme, daß hier Übernatürliches geschehen wäre, ganz abgesehen davon, daß die "Phänomene" auch gar keinen Sinn in theologischer Hinsicht ergeben. Solche Behauptungen sind im Gegenteil eher ein Hohn für Menschen, die in Mangelgebieten leben und solche "Wunder", wenn es sie gäbe, am nötigsten hätten.

Es ist wohl Ausdruck verbreiteter Wundersucht, daß Anhänger der "Konnersreuther Phänomene" von den dokumentierten Gegenbeweisen - die auch ein "heroisches Tugendleben" (Voraussetzung für die Seligsprechung) in Frage stellen - nichts wissen wollen. Aber mit Recht macht Hanauer darauf aufmerksam, daß es hier nicht um individuelle Glaubensbereitschaft einzelner geht, sondern um das Ansehen und die Glaubwürdigkeit der Kirche und um die Verantwortung gegenüber ihren Mitgliedern. Diese Gründe liegen Hanauer am Herzen, und so unternimmt er mit diesem Buch einen neuen Versuch, die Öffentlichkeit detailliert über medizinische Untersuchungen und Stellungnahmen, Zeugenaussagen und Dokumente zu informieren.

Zwar fürchtet der Autor, daß der Schaden für die Kirche längst eingetreten ist. Aber dennoch bliebe ein Eingeständnis der Irrtümer - und Falschdarstellungen - die einzige Lösung des Problems.

Irmgard Oepen

mit freundlicher Genehmigung der Autorin, Erstpublikation in Skeptiker 1/95 S. 34

Hanauer, Josef
Konnersreuth : Lug und Trug mit kirchlichem Segen /Josef
Hanauer. - 1. Aufl. - Aachen : Fischer, 1994
ISBN 3-89514-013-9, , 166 Seiten, DM 23,00

 


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Letzte Änderung: 5. Januar 1998